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Altes Kino: Filme. Neues Kino: Meme.
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Mission Statement: cine:plom neu definiert

Ein weiterer cine:plom-Relaunch, so einer muss ja alle paar Monate erfolgen ;-) Diesmal geht damit aber auch ein bissel eine inhaltliche Neuausrichtung des Blogs einher …

Das Kino ist tot.

So einige Jahre habe ich in diesem Blog übers Kino gebloggt, in letzter Zeit allerdings, wie dem geneigten Leser aufgefallen sein mag, weniger und weniger.

Ich schreibe immer noch so Einiges übers Kino, zum Beispiel im cine:plom-Spin-Off-Blog cine:tv:plom, wo ich durch den Kino-Anteil des deutschen Fernsehprogramms wildere. Das steht aber nicht umsonst unter dem Motto “Was ich einschalten würde, wenn ich einen Fernseher hätte”. Das Motto ist zwar Unsinn, denn ich habe sehr wohl einen Fernseher. Das in dieses Motto einfließende Konzept des Blogs ist aber mehr, über ein Meer von Filmen zu bloggen, die ich mir größtenteils nicht angeschaut habe und größtenteils wahrscheinlich auch nie anschauen werde; mich interessiert der einzelne Filmtitel da mehr als Funktion nicht des Film-Dings-an-sich, sondern äußerlicher Koordination, Genre- und Rezeptionsgeschichte vs. Ausstrahlungskontext vs. Reizpunkte an der Oberfläche (personelle, technische, thematische) vs. Trivia-Kuriosa vs. obskure Assoziationen, die ich mit dem Filmobjekt aus welchem Grund auch immer verbinde. (Das Meiste in cine:tv:plom ist daher auch weniger Empfehlung als vielmehr Abnicken eines Interessant-Findens mit ein paar mageren Stichpunkten zur Begründung, die einen Leser vielleicht auf etwas aufmerksam machen mögen, was in ihm ebenso ein Interesse weckt oder eben auch nicht. Als Aufforderung, sich ein Meisterwerk zusammengeschnippselt in mieser Kopie und mieser Synchronisation auf Tele Fünf anzugucken, ist es eher selten gemeint. Der meist präsente Amazon-Verkaufslink neben dem Titel ist neben seiner Geldscheffelfunktion oft auch als Aufzeigen einer Alternative zu einer zuweilen als ungenießbar vorhersehbaren Fernsehausstrahlung gedacht. Was natürlich niemandem den Gebrauch von cine:tv:plom als Fernseh-Einschalt-Tipp-Liste ausreden soll ;-) )

Kino hat sich für mich mehr und mehr zu einem historischen Katalog verwandelt, und zwar des 20. Jahrhunderts im Großen und Ganzen, wobei das 19. Jahrhundert auch einen bemerkenswerten Anteil hat (den aufzuschlüsseln mir vor allem in meiner 2006er/07er Veranstaltungsreihe zum frühen Kino der Attraktionen im TiK-Theater viel Spaß gemacht hat). Es abzuhandeln erscheint mir mehr und mehr eine nostalgische oder museale Aufgabe. Was nicht als Herabsetzung derselben gelesen werden soll: Das ist eine ungeheuerliche und endlos vielfältige Periode der menschlichen Kultur, an der man sich rege abarbeiten kann. Es verweist fraglos auch vieles im Kino noch zurück auf Entwicklungen der Neuzeit; vor allem an den chronologischen Rändern, interessanterweise nicht nur denen seiner letzten Jahrzehnte, zwischen postklassischem Spektakel und Auflösung in die Neuen Medien, sondern auch den strukturell eng verwandten Anfängen des Kinos der Attraktionen der ersten Jahre zwischen technischem Experiment und Jahrmarktszelt. Der große Korpus dazwischen allerdings reiht sich längst historisiert neben Roman, Theater, Musik und Malerei vergangener Jahrhunderte ein und weiß schon bei wenigen Jahren Entfernung nur noch wenig mehr über die beschleunigte futuristische Gegenwart zu sagen als seine Vorgänger von Sokrates bis Beethoven. Das Kino eignet sich so als exemplarische historische Untersuchungsmenge neben anderen, eine Untersuchungsmenge freilich, die noch in vielen heutigen Lebensläufen deutlichere Spuren hinterlassen hat als die Oper oder die Literatur. Was das Hier und Jetzt betrifft, ist es jedoch (im tragischen Schulterschluss mit seinem alten Konkurrent turned Allierten, dem Fernsehen) von einem prägenden und zentralen Medium seiner Zeit der Massenkultur zu einem bloßen Nebenspieler abgesackt, der zwar alltäglich ist, aber gegenüber den Neuen Medien nur noch eine Randfunktion in der Aufmerksamkeit der Menschen einnimmt; der auf die Gegenwart bloß noch reagiert, anstatt sie zu erschaffen oder strukturell ihrem Kern verbunden sein zu sein; der ins Endergebnis nur noch als entwürdigter Rohstofflieferant mit einfließt, wie eben zuvor Roman und Theater nur noch als bloße Stichwort-Story-Vorlage in jeden Kinofilm, der Kino als eigenständige Kunstform verstand.

Das alles bedeutet, wie gesagt, nicht, dass man über diesen Korpus Kino nichts mehr zu schreiben hätte. Es verschiebt aber bestimmte Relevanz-Koordinaten und Motivationen fürs Schreiben über das Kino. Hat es noch irgendeinen Sinn, sich als Kulturkritiker an der vermeintlichen ideologischen Struktur eines Hollywood-Blockbusters abzustrampeln, der doch im Endergebnis in die Kultur eh nur noch als tausendfach zerstückelte und rekonfigurierte Internet-Mash-Up-Rohstoff seiner Bildoberflächen einfließt? Umgekehrt: Welche durch eine Filmkritk zu fördernde utopische Kraft steckt noch im Underground-Versuch an einem Medium, in das vorzustoßen vielleicht früher durch seine Ausrichtung als Top-Down-Massenmedium ein politisches Versprechen war, das heute jedoch in der Bottom-Up-Unendlichkeits-Vielfalt des Internet aufgeht? (Welche Relevanz steckt überhaupt noch in der Differenz Underground-Mainstream?) Welches Vorrecht soll produktions- und distributionswirtschaftlich teuren ästhetischen Experimenten in einem historischen Medium noch erschrieben werden, wenn sich Äquivalente in Ausführung und Rezeption millionenfach multipliziert von selbst aus den Wohnzimmerheimstudios der YouTube-Massen ergeben? Das alles sind filmpolitische Fragen, die ich für mich inzwischen ziemlich negativ beantworte. Gleiches gilt für ästhetische und technische Potentiale des Kinos: Experimente und Entwicklungen erscheinen mir hier längst nicht mehr wegweisend, sondern nur noch behäbige Reaktion auf viel eindrucksvollere Erschütterungen aus den Neuen Medien. Der zu erkundende Kern der kunstutopischen Versprechen und damit auch mein Interessefokus liegt längst anderswo.

Lang lebe das Kino!

Nun bringe ich es aber irgendwie doch nicht übers Herz, einfach mal so dieses Blog hier einzustampfen, bloß weil das Kino vorbei sei und meine Kinobesuchs-Frequenz auf eine Hand pro Monat abgesunken ist (die montägliche Sneak-Preview, in ihrem künstlerischen Mittelmaß auch nicht gerade die beste Kerze, um die Flamme des Kinos neu zu entzünden) und ich weniger und weniger in dieses alte Medium investiere. Ab und zu rutscht ja doch mal wieder ein Film (oder eine Fernsehserie) in meine Begeisterungszone, fällt mir eine interessante Verknüpfung des einen oder anderen Details ein, verspüre ich das Bedürfnis, ein Werk unbedingt zu sehen oder bastele gar selber einen Film. Denke ich ein bisschen weiter, fällt mir auf: Auch so ein Sparflammen-Modell für das Blog ist gar nicht mal angebracht. Viele eben jener ästhetischen Begeisterungs-Sinne und Analyse-Interessen, die sich viele Jahre meines Lebens zu großen Teilen am Kino und seinem Halbgeschwisterchen Fernsehen (nicht minder eng verwandt mit dem Radio) abgearbeitet haben, klagen nicht über Langeweile und sind nach wie vor konstant stimuliert. Sie sind es inzwischen bloß weniger im Kinosaal oder vor dem Fernseher, sondern vorm Flachbildschirm meines Personal- oder überm Touchscreen meines Handcomputers; im Angesicht von Formen allerdings, die mit dem Hauptkorpus des Kinos auf den ersten Blick kaum noch etwas gemein haben.

Sicher: Selbst wenn man als Bedingung für Filmform relativ eng eine still dasitzend zu konsumierende linearen Abfolge bewegter Bilder in einer abgegrenzten zweidimensionalen Fläche setzt, kann man schon Teile der ästhetischen Produktion des Internets, vom YouTube-Video bis zum Flashfilm, ins Kino hinüberretten, und nichts Geringeres habe ich in diesem Blog auch immer mal wieder getan. Nimmt man etwas toleranter auch traditionelle filmformale Utopien wie Dreidimensionalität und Interaktivität hinzu, kann man vielleicht sogar noch Videospiele integrieren. Ich bin da zuweilen hier im Blog wie in meinem Studium sehr weit gegangen: Am Ende ließ sich gewissermaßen sogar die Abfolge von visuellen Strukturen in einem Desktop-Computer-Fenstersystem filmwissenschaftlich analysieren.

Aber diese strukturelle Verrenkung zur Einpassung in die Oberflächenform des Films geht halt mehr und mehr am Kern der ästhetischen Phänomene im Internet (als Leinwand der Gegenwart), die mich interessieren, vorbei. Die reichen von Sprüche- und Witzstrukturen in Usenet und IRC über YouTube-Videos nicht in Einzelheit sondern genetischer Abfolge (als Konversationsketten) bis zum Image Macro (Lolcats & Co.) und Imageboard mitsamt GIF-Animationen. Sie haben oft visuelle oder audiovisuelle und manchmal sogar animierte Elemente, sind zuweilen aber auch einfach nur textbasiert und lassen sich nicht auf ein Trägermedium oder eine Wiedergabeform beschränken. Es sind Wiederholungs- und/oder Variations-Verkettungen von Reiz- und Witzbildern. Es sind “Meme”, nicht in der Breite des Begriffs, den Evolutionswissenschaftler Richard Dawkins prägte, sondern als eigene ästhetische Form im Internet.

Sie verlangen eine andere analytische Herangehensweise, als sie gemeinhin Filmen zugedacht wird. Sie lassen sich oftmals gar nicht mehr in Integritäten ihrer Einzelvertreter analysieren, eines Witzbildes, eines YouTube-Videos, nicht mal eines Ausdrucksmediums. Ihre ästhetische Qualität liegt nicht im Einzelwerk begründet, sondern in ihren Ketten, aus denen sich bestenfalls in Ausschnitten ein Atomkern in Gemeinsamkeit von Reiz oder Witz herausdestillieren lässt. Sie sind nie abgeschlossen, sind offen, verlangen geradezu, dass man sie weiterführt, arbeiten mit der Unwiderstehlichkeit, noch eins hinten dran zu setzen oder zu variieren. Sie gehören niemandem und allen. Das Eingeschriebensein einer Autorenschaft lässt sich bei ihnen nicht auf Individuen oder fest umrissene Kollektive hin analysieren; sie entstammen rein spontanen Schwarm-Identitäten. Es sind als Kunstwerke emergente Entwicklungen bottom-up statt top-down. Und auch, wenn man ihren Begriff “Mem” mit dem Dawkins’ der kleinsten kulturellen Einheit nicht ohne Gefahr austauschen kann, so sind sie ihm und einer Grundkörnung menschlichen Geistes und menschlicher Kultur doch vielleicht näher als alles seit Entstehung der Musik.

Und dennoch verweisen diese kleinen Körner für mich ein wenig auch auf diese behäbigen Riesen Film und Kino. Sie sind Abfolgen von (ob nun konkret oder begrifflich) Bildern, sogar wie beim Film üblich von Bildern, die aus Ähnlichkeit heraus miteinander zu Kontinuität emergieren, was im Film und verwandten Künsten im Kleinen von Bild zu Bild geschieht und im Großen von Genre-Vertreter zu Genre-Vertreter. Ihnen steht ein multimediales Ausdrucksarsenal zur Attacke auf die Sinne zur Verfügung, das dem des Gesamtkunstwerks Film in seinen Werkzeugen sehr ähnlich ist. Sie arbeiten oft auf vergleichbare Weise mit Erotik, Schock, Ekel, Komik und anderen direkten neuronalen Triggern, wie es das Kino der Attraktionen, die Komödie oder das Exploitationskino tun. Sie sind aber vor allem, wie es das Kino war, ein Medium, das durch die Massen seiner Zeit sich entfaltet und atmet, wenn auch strukturell ganz anders, als das im Kino der klassischen konsumistischen oder totalitaristischen Massenkultur des 20. Jahrhunderts üblich war.

Ich will das Experiment wagen, aus diesen Ähnlichkeiten heraus ihnen den Begriff Kino und damit dieses Blog zu öffnen und den Begriff Kino so vielleicht sogar für sich weiterzuentwickeln. Ich will mir Internet-Meme und Internet-Mem-Landschaften anschauen, eine Intention, die mir zu oft in den Fingern juckt, die ich mir aber in die rigide am Kino und der filmischen Form orientierten Begriffsstruktur von cine:plom auszuleben bisher kaum traute (und die dadurch teils sogar in Nachbarblogs wie futur:plom und reste:plom entweichen musste, ohne dort richtig heimisch sich zu fühlen und entfalten zu können). Und zugleich die Verbindungslinien vom alten Kino zu diesem hypothetischen neuen Kino suchen, das das alte ja auch reichhaltig zitiert, vielleicht einige Genealogien zu ihm zurück hat und zugleich von ihm die eine oder andere Reaktion einfordert. Bei meinem cine:tv:plom habe ich eh schon öfter das Gefühl, im Katalog des alten Kinos einfach eine große Mem-Wolke abzuhandeln. Vielleicht sind sich Film und Internet-Mem als ästhetische wie als kognitive Maße ähnlicher, als es auf den ersten Blick scheint.

Und natürlich wird’s mich auch weiterhin immer mal wieder überkommen, hier etwas über das gute alte Kino und Fernsehen zu schreiben, das ich mir im Kinosaal oder auf DVD gebe. Gibt noch genug Filme und Serien anzuschauen … ;-)

Siehe auch:

Tuesday April 22, 2008

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Kommentare

  1. Robert / 23. April 2008, 01:56 Uhr

    Wird aber auch Zeit, dass sich ein Blog mal um Internet-Meme kümmert. Hast mich auf jeden Fall neugierig gemacht. Wünsche dir viel Spass und Erfolg!

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