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Filmprotokoll / Beschleunigung und Entschleunigung in "DER MANN MIT DER KAMERA" (1929)

Filmprotokoll #4:

Eine der vielen Auffälligkeiten in Dsiga Wertows “Der Mann mit der Kamera” ist der stete Wechsel zwischen Beschleunigung und Entschleunigung der Filmsequenzen.

Dieser findet teils statt über Bewegung oder Nicht-Bewegung innerhalb des Filmbildes: So finden sich etwa zu Anfang des Films lange Reihen von mehr oder weniger statischen Einstellungen, beispielsweise im noch ungefüllten Kinosaal und in der noch schlafenden Stadt. Diese Szenen erleben in ihrem Verlauf allmählich eine Belebung durch ein langsam wachsendes Maß an in ihnen enthaltener Bewegung, etwa in den Stadtaufnahmen über den leere Straßen durchfahrenden Wagen des Kameramannes und schließlich der auf den Kameramann zufahrenden, rasch die Kadrierung ausfüllenden Eisenbahn. Aus erst statischen Aufnahmen werden in langsamer Steigerung zunehmend bewegtere, mündend in die am Tag belebte Stadt, die gekennzeichnet ist durch das ganze Bild ausfüllende ständige Bewegungen von Menschenmassen und Straßenbahnen.

Die Ausfüllung des Bildes mit Bewegung wird an diversen Stellen noch weiter gesteigert durch die gleichzeitige Überlagerung mehrerer sich bewegender Motive mittels Mehrfachbelichtung, zum Beispiel den Anhäufungen verschiedener Maschinengetriebe in reger Tätigkeit.

Die Geschwindigkeit der Bewegung selbst wird manipuliert: Die Fahrt in einer Pferdekutsche erstarrt unerwartet in einem Standbild, das in einen Ausflug in den Schneideraum überleitet, Sportszenen werden in Zeitlupe vorgeführt, ein Sprung wird in einzelne Standbilder zerstückelt und in seiner Mitte völlig angehalten. Umgekehrt häufen sich im Finale des Films Zeitrafferaufnahmen von vorher in normaler Geschwindigkeit gezeigten Szenen.

Beschleunigung findet nicht nur innerhalb der Einstellungen, sondern auch in ihrer Montage statt: An mehreren Stellen steigert sich die Schnittfrequenz bis hin zu einem Ausmaß, bei dem die einzelnen Einstellungen kaum mehr als zwei oder drei Bilder andauern und ineinander überzugehen scheinen.

Über die genannten Verfahren fängt der Film Sequenzen ruhig an und steigert zu ihrem Ende hin ihre Dynamik bis zu einem Höhepunkt, an dem mehrere dieser Verfahren zusammenkommen, um danach wieder Beruhigung zu erfahren. Einzelne Motive – Eisen- und Straßenbahnen, bestimmte Maschinen und öffentliche Plätze – werden in unterschiedlicher Dynamik mehrfach wiederholt, was die Aufmerksamkeit in noch stärkerem Maße auf ihre Be- und Entschleunigung selbst lenkt, und schließlich unter Vereinigung von maximaler Bewegung, Zeitraffer und höchster Schnittfrequenz am Ende des Films eindrucksvoll zusammen geführt.

Thursday March 17, 2005

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