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The Queen

Sneak: The Queen / Die Queen
EU 2006, Stephen Frears, 97 Minuten.

Als die ersten Einblendungen den Überraschungsmovie des Abends eindeutig als Stephen Frears Spielfilmdramatisierung der realen britischen Königin identifizieren, reagiert das Sneak-Publikum kollektiv geschlossen mit den Rufen "Nein!", "Oh nein!", "Nein! Nein-Nein!"

Tatsächlich und erwartbar nutzt sich der anfängliche Spaß an der mehr oder minder perfekten Politprominenten-Mimikry recht bald ab; nett zwar, wie Alex Jennings sich zu seinem Prince Charles mit einem fortdauernd qualvoll verkrampft-verkniffenen Gesichtsausdruck vorzuarbeiten sucht, und spürbar, welchen Spaß James Cromwell als bekanntermaßen verrückter Queen-Gatte mit Schottenrock und kernigen verbalen Entgleisungen gehabt haben dürfte, aber schon Helen Mirren als Filmzentrum ist leider so langweilig perfekt in ihrer Queeny-Imitation, dass die Freude an ihrem Schauspiel rasch flöten geht.

Davon abgesehen beansprucht der Film freilich als konkretes Thema den Umgang des britischen Königshauses sowie auch des seinerzeit gerade angetretenen Premiers Tony Blair (Michael Sheen, wieso werden Regierungschefs eigentlich immer von Sheens gespielt?) mit dem tödlichen Unfall der populären Lady Di und der nachfolgenden Erregung im englischen Volk. Ein Thema, das der Film auf ziemlich banale Weise figurenpsychologisch abzuhandeln sucht. Die königliche Familie ist, unter Vorwand altersstarrer protokollarischer Tradition, unfähig, vorm Geliebten namens Volk ihre Gefühle zu zeigen (d.h. die "people's princess", obgleich offiziell nicht mehr königlich, dennoch öffentlich als Familienmitglied zu würdigen); der jungfrisch-aufgeschlossene Tony Blair muss und wird sie therapieren.

Die Frage nach politischen oder ideologischen Zusammenhängen hält der Film dabei größtenteils von sich. Die Monarchie wird als vom Volkszorn bedroht gezeichnet, die Bedrohung versteht sich jedoch nicht als politische Kritik an der Institution Monarchie, sondern an mangelnder Bereitschaft dieser Institution, öffentlich rumzumenscheln. Die einzige unabhängig vom Lady-Di-Fall antimonarchistische Position ist die von Tonys Gattin Cherie Blair, der jedoch auch nur einfach ein persönlicher Hass aufs Königshaus unterstellt wird, ohne diesem eine politische Formulierung zu geben. Pro-monarchistisch ist der Film allerdings auch nicht; er hat einfach kaum Interesse an der Institution, nur an der -- aber eben auch nicht allzu interessant gefassten -- Person, die sie ausfüllt.

Aber auch (oder gerade) wenn er politisch nichts fragt, ideologisch ist er schon, ja. Anfänglich zeigt er noch durchaus lobenswert, wie nach dem Lady-Di-Unfall Tony Blair und seine Redenschreiber ein bisschen produktive Geburtshilfe an der höchst dubiosen Diana-Volksideologie leisten. Wenn die Diana-Ideologie aber im Weiteren wieder und wieder vom Mann auf der Straße reproduziert wird, weiß er auch nur noch, sie durch seine filmischen Mittel zu affirmieren. Man fühlt sich am Ende als Zuschauer geradezu
Der Soundtrack von The Queen, ohne Musik von Queen.
genötigt, die sich öffentlicher emotionaler Anteilnahme verweigernde Queen gegen diesen schmollenden Gefühls-Mob zu verteidigen. Nur steht man da nicht nur gegen den Mob, sondern auch gegen den Film. Denn die mangelnde Bereitschaft der Monarchin, ihre öffentliche Rolle aufzumenscheln, stellt ja gerade das durch Held Tony Blair (und Held des Films ist er strukturell fraglos, im Gegensatz zum vom Film analysierten Objekt Queen) zu beseitigende Plot-Übel dar.

Die Öffentlichkeit muss intimisiert werden. Das ist es, was der Film eigentlich meint mit der erwünschten "Modernisierung", die er Blair und der Labour-Party zuschreibt, und mit der das Königshaus sich anfänglich nicht so recht anfreunden kann. Als es dann doch gelungen ist, die Queen für die intimisierte Gesellschaft zu domestizieren, spaziert sie mit Tony romantischen Schulterschlusses im königlichen Garten und öffnet seinen vorgeblichen "Modernisierungs"-Vorschlägen die Ohren. Tony beginnt zu reden, irgendwas von Modernisierung des Schul- oder Renten- oder Wer-weiß-was-Systems, aber mit solchen uninteressanten politischen Sphären mag der Film uns nicht belasten, die Kamera und der Ton entfernen sich zum enthobenen romantischen Genuss des Pärchen-Bildes im Garten und der Abspann rollt runter.

Friday January 12, 2007

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