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Strait-Jacket

Strait-Jacket
USA 1964, Regie William Castle, Drehbuch Robert Bloch, mit Joan Crawford, 89 Minuten, schwarzweiß.

Joan Crawford als axtschwingende Wahnsinnige, die gleich am Anfang Lee Majors in seiner laut IMDb ersten Filmrolle enthaupten darf, in diesem soliden William-Castle-Hüpfer.

Die Crawford brilliert bombig als möglicherweise etwas zu früh aus dem Irrenhaus Entlassene: Die sich häufenden Nervositäten und psychischen Entgleisungen spielt sie so prachtvoll pointiert, peinlich, übersteigert, filmisch dominierend, dass kein Zweifel an ihr als eigentlicher Exploitation-Attraktion des Films besteht, der ansonsten weder besonders spannend, noch gruselig, noch splatterig ist. Der Witz des Films ist seine Joan-Crawford-Performance.

Nicht derart stellt sich “Strait-Jacket” in den Dienst dieser Performance, dass er (wie das so gerne gemeint ist, wenn man sagt, ein Film stelle sich in den Dienst der Darstellerperformances) formal banal vor sich hinplätschert, damit das Spiel der Darsteller umso plastischer vor einer faden Kulisse hervorstehe. Andersherum, er richtet sein ganzes Arsenal an filmischen Mitteln und die ganze Filmwelt sowohl als Funktion von, wie auch Fokussierung auf, Joan Crawford aus. Mark R. Hasan verweist bereits auf den Kontrast zwischen den “deliberate soft-focus close-ups of Crawford (who used her own make-up crew, and had cinematographer approval), and the regular sharp images with the rest of the photographed cast”; viel aufregender jedoch, wie die ganze äußere Welt für sich plötzlich, obgleich nicht aus Crawfords Perspektive gezeichnet, zur Welt für sie wird, nur noch endloser Clue auf die Crawford, ihren Geisteszustand und ihre Axtschwingerei. Kindergesänge auf der Straße, herumliegende Messer, unbeabsichtigte verbale Ausrutscher der übrigen Figuren, nach ihr modellierte Skulpturen, selbst eine auffällige Pepsi-Verpackung in einer von ihr betretenen Küche (für Crawford plazierte Schleichwerbung des Unternehmens, für das sie damals tätig war—genauso wie eines der Axtopfer dank ihr vom damaligen Pepsi-Vizepräsidenten gespielt wird), das alles ist auf Crawford bezogener Effekt, einerseits oft vergnügliche psycho-kogni-somatische Castle’sche Effekthascherei an sich, andererseits Fortsetzung, Ausdehnung der Crawford-Exploitation auf die restlichen, somit crawfordizierten Filmgegenstände.

Es ist, als sei die frühkindliche Spaltung zwischen Ich und Welt hier nie vollzogen worden, es besteht keine Trennung zwischen der nervösen Crawfordphysiognomie, ihrem unter ihrem Gezitter lächerlich laut klimperndem Armschmuck, den von ihr berührten oder nur betrachteten Gegenständen oder jenen, die sogar einfach nur durch Kadrierung mit ihr in eine Beziehung gesetzt werden. Es ist offenbar alles Joan Crawford. Doch dann kommt die trotz ihrer Vorhersagbarkeit haarsträubende finale Wendung: Die Crawfordizierung verkehrt sich ins Gegenteil, die Filmwelt und der William-Castle-Film sind nicht länger Funktion der Crawford, sondern die Crawford ist und war Funktion der Filmwelt und des William-Castle-Filmes. Der feiert in der Schlusseinstallung die Rückerlangung seiner künstlerischen Souveränität wieder mit einem Gimmick, einem geköpften Columbia-Mannequin.

Thursday August 3, 2006

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