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Seminar-Notiz: Moolaadé

Seminar-Notiz: Moolaadé
Senegal, Frankreich, Burkina Faso u.a. 2004, Ousmane Sembene, 124 Minuten.

Auch wenn die vielerorts in Afrika traditionelle Verstümmelung weiblicher Genitalien das Problem von “Moolaadé” ist, so ist es doch auf den ersten Blick kaum sein Stilprinzip: Bunt, mit Witz und Leichtigkeit, geradezu fröhlich scheint der Film in der Gestaltung der das Problem umwebenden Dorfgeschichte daherzukommen und deutet das Grauen nur an wenigen Stellen tatsächlich filmisch an: über die in den leidvollen Geschlechtsverkehr der Protagonistin hineinmontierten Kindheitserinnerung an ihre eigene, von Neuem nacherlebte Beschneidung, über das schaurige, Materialität spürbar betonende Glitzern der als Werkzeug dienenden scharfen Messer.

Doch Sembenes vordergründig leichte Erzählweise ist nicht als Verniedlichung oder Fahrlässigkeit gegenüber seinem Thema misszuverstehen. Vielmehr erzeugt sie eine Distanz zum Problem, das ihm intellektuelle Bearbeitbarkeit verleiht anstelle stumm und dumm machender emotionaler Überwältigung. Anstatt zu psychologisieren, kann er nun exemplifizieren, generalisieren und politisieren, die verschiedenen im Kampf um die inhumane Tradition antretenden Strategien, Kontexte, Lösungsansätze unbeschwert aber ernsthaft als Vertreter größerer Zusammenhänge gegeneinander antreten lassen und durchdeklinieren.

Was dabei herauskommt, liest sich wie ein Versagen männlicher westlich-kapitalistischer Kultur in Afrika: Die Radios mögen vorerst subversive Tendenzen anstacheln, können aber doch nichts gegen eine Autorität ausrichten, die sie einfach beschlagnahmt und vernichtet. Der Sohn des Dorfoberhauptes kehrt scheinbar aufgeklärt und mit neuen westlichen Verführungen, Fernsehgeräten, aus Frankreich zurück, kann sich zu einer Rebellion aber nicht mehr konsequent durchringen, als seine hierarchische und materielle Situation von seinem Vater in Frage gestellt wird (und besinnt sich dann erst wieder eines Besseren, als die Schlacht bereits gewonnen ist). Der für den globalen Kapitalismus und, über seine Vergangenheit, auch die militärischen Eingriffe westlicher Staaten stehende reisende Händler wird einfach vertrieben bzw. niedergemetzelt.

Nur aus der über eigene Erfahrungen selbstvermittelten Hinterfragung der Tradition und Bewusstwerdung der eigenen gemeinschaftlichen Kraft gelingt es den Frauen des Dorfes, das Leid der Genitalverstümmelung abzuschaffen und das Patriarchat ins Wanken zu bringen. Erst nach Eigenemanzipation, nicht durch Rettung von Außen, ist der Weg für den Fortschritt frei, den der Film durch Austausch eines für religiösen Aberglauben stehenden Symbols durch eine Fernsehantenne in die Schlusseinstellung schiebt.

Thursday June 1, 2006

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