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Berlinale 2006 #21 / Aus der Ferne

Aus der Ferne
BRD 2006, Thomas Arslan, 89 Minuten.

Aus der Ferne” kommt mir gar nicht wie ein Film vor. Es ist eine Aneinanderreihung von statischen Aufnahmen (ausgenommen solchen, in denen die Kamera aus einem fahrenden Auto heraus, zu diesem jedoch ebenso statisch, filmt) der Türkei, mehr eigentlich nicht. Im positiven Sinne.

Vollzogen wird eine Reise in mehreren Stationen von Istanbul bis zum Berg Ararat. Außer dem Vorspann, dem Abspann und ein paar sehr, sehr spärlichen gesprochenen Sätzen Thomas Arslans (wie mir aus dem Bekanntenkreis Arslans zu Ohren kam, soll er bis zuletzt mit sich gerungen haben, ob er sie überhaupt reinnehme), die nicht mehr sagen als, sinngemäß, hier beginnt die Reise von X nach Y, das hier ist Stadt Soundso, hier ging ich zur Schule, dies ist die letzte größere Stadt vor Syrien, diese Kirche ist eines der letzten armenischen Überbleibsel, außer diesem also gibt es gar nichts, was die einzelnen Einstellungen kommentiert.

Die Einstellungen selbst jetzt im Detail zu beschreiben, täte daher, so scheint mir, auch dem Film in großem Maße Unrecht. Sie sind allesamt sehr lang, unterlegt mit hochwertigen Aufnahmen der zugehörigen Tonkulisse, so dass es einem ermöglicht wird, sich langsam direkt in die gezeigten Orte zu versetzen. Sie zeigen das Treiben in der Stadt, in einem Bus, an einem historischen Monument, in einer Schule, usw.; sie zeigen lange Fahrten durch die Landgegenden der Türkei, Siedlungen, ein geflutetes Dorf, einen Trommelumzug, eine Feier; usw. Die Aufnahmen entziehen sich allen Klischees oder Konzeptualisierungsversuchen, sie sind so lang und in sich geschlossen, das jede sich aus der Montage löst und als ihr eigener Ort erfahren wird.

Ein ganz einfacher, ruhiger, offener, interessanterweise aber auch sehr aufregender Film, wenn man ihn denn nun einen Film nennen möchte. Natürlich könnte man auch in Frage stellen, ob das nicht größenwahnsinnig sei, zu versuchen, einen völlig ‘ungemachten’ Film zu schaffen. Passend hierzu die Szene, in der Arslan sich (ganz wie bei Wertows “Mann mit der Kamera”) selbst mit einem Mitarbeiter beim Schnitt des Films vorm Computer sitzen und beraten zeigt – diese Szene sei schon fertig, diese noch zu lang, usw. Alles in allem jedoch gelingt es “Aus der Ferne”, ein interessanteres Bild, gerade auch ohne jeden höheren Beschreibungsanspruch, von der Türkei zu liefern, als es hundert Stunden Fernsehberichte täten.

Wednesday February 15, 2006

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Kommentare

  1. Ekkehard Knörer / 15. February 2006, 19:09 Uhr

    Hm. Das ist einer der filmischsten Filme, die ich auf der Berlinale gesehen habe. Schnitt, Schwenk, Kadrierung: alles geschieht hier mit Bedacht. Eher, würde ich sagen, macht der Film einem klar, dass Film nicht dann ist, wenn sich viel bewegt.

    Allein die Montage der Film-Anschau-Szene. Einstellung auf Regisseur und Schnittmeister und Filmplakate an der Wand. Dann Schnitt. Dann sieht man, was sie da ansehen. (Das ist übrigens nicht Arslan, sondern – wenn ich recht informiert bin – Nuri Bilge Ceylan (von Uzak), den man da bei der Arbeit sieht.)

  2. Christian / 15. February 2006, 23:45 Uhr

    Ekkehard: Hmm, naja, also die Montage in der Film-Anschau-Szene fällt etwas heraus. Ansonsten lassen sich die einzelnen Einstellungen imho sehr gut als eigenständig lesen. Ich bin vielleicht auch etwas vom Publikumsgespräch in meinem Eindruck verformt, wo Arslan im Grunde jeden Versuch, seinem Film irgendeinen Aussagewillen reinzustülpen, abblockte ;-)

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