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Borat

Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan
USA 2006, Sacha Baron Cohen / Larry Charles, 82 Minuten.

Der Borat-Kinofilm nun transzendiert in ungeahntem Maße sowohl Sacha Baron Cohens Fernsehvorlage, die noch stark den inzwischen konventionellen Fernsehboden der komödiantischen Viktimisierung ahnungsloser realer Personen beackerte, mit einer Ahnengalerie von Candid Camera bis zu neueren Formaten, die mehr die ungewöhnliche Performance der Attentäter betonen, sei es in den Jackass-Passanten-Irritationen oder Christian Ulmens planmäßiger Terrorisierung von Einzelpersonen mit kunstvollen Alptraumpersonifizierungen in Mein neuer Freund; als auch den Borat-in-den-USA-Kinotrailer, der bei böswilliger Interpretation ein michaelmoorianisches und essentialistisches "Entlarven" eines bigotten Amerika für ein aufgeklärteres Publikum androhte, das in sich nicht weniger bigott und selbstherrlich vor sich hätte gehen müssen.

Dass der Film im Wesentlichen einen anderen Weg einschlägt, offenbart bereits der Anfang: War zuvor naheliegend anzunehmen, dass der andere Kinotrailer -- Borat führt uns durch sein kasachisches Dorf, das in absurdem Maße sämtliche seiner bisher im Fernsehen rein verbalen Versprechen eines degenerierten, vernachlässigten und zugleich ultrachauvinistischen sexistischen, homophoben, antisemitischen und antiziganischen Gemeinwesens, das er stolz seine kasachische Heimat nennt, plastisch verwirklicht und potenziert -- ein bloßes nachgedrehtes Marketing-Addendum zur Begreiflich- und Bekanntmachung der Figur all jenen gegenüber sei, die nicht zur Fangemeinde Sacha Baron Cohens gehören, so findet sich nun im Filmbeginn tatsächlich eine noch groteskere Ausweitung dieses Prologs, die nicht zuletzt in einem großen "Run-the-Jew"-Volksfest gipfelt, wo in der Manier eines spanischen Stierlaufes mit Mardi-Gras-Elementen Boratkasachen sich von überdimensionalen Kunstholzköpfen in der Tradition antisemitischer Stürmer-Karikaturen plus Teufelshörnern verfolgen lassen, Mr. & Mrs. Jew, deren letztere im weiteren Verlauf ein menschengroßes Ei legt, das von der Boratkasachen-Jugend euphorisch zertrümmert wird.

Das inszenierte bis erfundene Bild und Narrativ ist es, was eine viel bedeutendere Rolle im Borat-Film einnimmt, als im Voraus in Anbetracht der Fernsehvorlage und des Durch-die-USA-Trailers abschätzbar gewesen war. Dabei hätte man nach seinem (in enttäuschender Art und Weise) rein fiktional phantasierenden Ali-G-Kinofilm
Der vorhergehende Sacha-Baron-Cohen-Film Ali G in Da House, bei weitem nicht so gelungen wie Borat, allerdings mit einem (sehr) kleinen Gastauftritt seiner Person und alles in allem immer noch schön albern.
einige Jahre zuvor eigentlich bereits voraussetzen können, dass Baron Cohen sich auch eine umfassendere fiktionale Ausgestaltung seiner nächsten Kunstfigur und ihrer Welt im Kinoformat nicht nehmen lassen würde; eine Entscheidung, mit der er gerade im hier gegebenen semidokumentarischen Rahmen durchaus gut fährt. Für sich allein fiktional, wie bei Ali G in da House, hätte es wohl auch von Neuem nur halbgar funktioniert, denn genau wie Ali G dürfte auch die Figur des Borat sich nicht von selbst tragen können. Es braucht die Reibung mit realen und uneingeweihten Personen, die an die Echtheit seiner Persona -- im Falle des Kinofilms Personae, seinen fiktiven und nicht minder irritierenden Begleiter / "Produzenten" Azamat hinzugerechnet -- und Welt unter Aufwendung eines haarsträubenden suspension of disbelief glauben, um das volle künstlerische und komische Potential des Konzeptes zu entfalten.

Sodann haben wir auf der einen Seite ein dramaturgisch wie psychologisch voll ausgestaltes und kohärentes Narrativ über Borat, der vom Kasachischen Informationsministerium in die USA entsandt wird, um deren Glorie und Funktionsweise in einem Film fürs Heimatpublikum zu dokumentieren, um dort, spontan Witwer geworden, sich missionsfern auf eine Queste zur Heirat Pamela Andersons zu begeben, mitsamt Höhen und Tiefen, Enttäuschung, neuer Hoffnung und Katharsis; und auf der anderen Seite die vom Trailer versprochene Viktimisierung oder Vorführung von Amerikanern. Natürlich, man bekommt sie zu sehen, den Cowboy, der Borat als sympathisch chauvinistischem Repräsentanten eines zurückgebliebenen Landes empfiehlt, als aufrechter Nicht-Moslem sich seinen Bart abzurasieren und sich vor den Homos in Acht zu nehmen; das Rodeo-Publikum, das applaudiert, als Borat ins Mikro die Ermordung auch des letzten irakischen Kindes fordert; den Waffenhändler, der auf die Frage nach der besten Waffe zum Judenschießen ohne Zucken sogleich ein Modell empfiehlt; die amerikanischen Burschenschaftsäquivalente, die sich im Suff mit Borat über Sexismus und die gewünschte Auslöschung von Minderheiten verbrüdern. Allerdings gibt es auch jene, die im Angesicht des Boratschen Wahns zwar mehr oder weniger höflich, aber bestimmt, für zivilisatorische Werte der Gleichberechtigung wie Selbstbestimmung einzustehen sich fähig zeigen und dabei die Pointenschuld souverän an ihn zurückverweisen -- was nicht unbedingt zum Nachteil der Komik verläuft, denn natürlich ist Borat ein exzellenter Pointenträger. Das Boratsche Prinzip erweist sich so als das einer moralischen Spielshow, in der die unbewussten Teilnehmer über ihr Verhalten sich zu Gewinnern oder Verlierern einer (freilich möglicherweise idealisierten) Zuschauergunst machen, wobei das Ergebnis nie von Vorneherein festgelegt ist.

Und doch geht dieser Aspekt an dem, was mir am Borat-Film am Wesentlichsten erscheint, einigermaßen vorbei. Erst einmal nimmt das eigentliche Primat des Absurden und das Prinzip der ganz unterschiedlichen Verläufe der Vorführungen von Amerikanern natürlich dem Film seine politische Schwere: Es gibt hier eben keine alles simplifizierende und auf eine Bahn lenkende Haudrauf-Verbiegungs-Sinnesüberwältigung zur Bestätigung einer essentialistischen ideologischen These wie bei Michael Moore. Das Meiste ist einfach unschuldiger oder rein destruktiver Blödsinn, Anderes ist zu abstrus, um als repräsentativ zu gelten. An einem Tiefpunkt angelangt, stolpert Borat in einen Evangelical-Christians-Gottesdienst, der so surrealistisch, nein, dadaistisch erscheint, dass er sich noch vor den wildesten vorhergehenden Boratschen Drehbucheinfällen nicht zu verstecken braucht. Borat steht bald Hand in Hand mit einem Herrn in Anzug, der in fremden Zungen lallt, und gerät schließlich selbst zum Opfer einer unmöglich erscheinenden Performance Besessener, kaum unterscheidbar jenen Performances, in die er selbst zuvor Andere zwang; es sind Stellen wie diese, an denen es dem Film gelingt, gesellschaftliche / politische Satire vollends in surrealistisches Spektakel jenseits von Gut und Böse zu wenden, weniger unterlegen als erhaben gegenüber jeder verbalisierbaren Ideologiekritik; ähnlich der antisemitischen Episode vom Anfang, oder auch einer späteren: Borat und Azamat finden Unterschlupf bei einem Ehepaar, das sich -- die Offenbarung ist hinreichend horrorfilmartig inszeniert -- als jüdisch herausstellt.
Der Soundtrack.
So bibbern unsere beiden Helden nun nächtens paranoid in ihrem Zimmer, halten als einzige anerkannte Mittel gegen die erwartbaren Angriffe der sie Beherbergenden Kruzifix und Dollarscheine umklammert, mit denen sie bald eindringende Kakerlaken, sofort sinnesscharf als Inkarnationen ihrer Gastgeber erkannt, kreischend im Glauben um die Wirksamkeit dieser Maßnahme bewerfen, um sodann panisch über sie hinweg ins Treppenhaus hinab und ins Dunkel der Nacht fortzuhüpfen.

Der Borat-Film hat seine Stärke darin, Realität und reale Ideologien vollends in Surrealismus und ekstatischen, destruktiven Nonsens aufzu... nein, vielleicht nicht aufzulösen, sondern eher einerseits zu infantilisieren und andererseits zu extrapolieren. So ist es dann auch wirkungsästhetisch völlig gleichgültig, was noch echt und was inszeniert oder wenigstens halbwegs mit den Beteiligten / Opfern abgesprochen ist. Dass Borat am Ende der echten Pamela Anderson überaus handgreiflich einen Entführungssack überzustülpen sucht, dürfte wohl kaum juristisch unabgesichert geschehen sein, auch wenn es ganz im Reality-TV-Style gehalten ist und Borat bald winselnd von Securities am Boden gehalten wird. Völlig unwichtig. Wichtig, das sind die wahnwitzigen Bilder und Einfälle in ihrem Eigenwert, die der Film liefert und die teilweise in ihrer Abstrusität wie auch Offensiveness noch die von einem Jackass für den amerikanischen Rated-R-Mainstream neu definierten Grenzen übertreten, mit einer sympathisch naiven Freude am Obszönen. Ich will die vielleicht beste, in jedem Fall wohl eindringlichste Szene des Films hier nicht verraten, nur sei gesagt, sie enthält nichts von dem offen Politischen, womit "Borat" feuilletonkompatibel gemacht zu werden sucht, dafür aber massig gross-out value und Freude an hemmungsloser Rumsauerei in der Öffentlichkeit. Und das sind doch schöne Dinge.

"Borat" kommt am 2. November in die deutschen Kinos, und f5 wissen zu berichten:

Laut Informationen des Verleihs, hat man die immense Wichtigkeit des Sprachwitzes bei Borat erkannt und wird den Film bundesweit in drei Fassungen verleihen: Original, Original mit Untertiteln und Synchronisiert. Wobei laut Fox in den neuen Bundesländern nur die Synchronfassung laufen wird. Go Figure.

Nachtrag: Zur Borat-Kontroverse hier noch was.

Tuesday October 24, 2006

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Kommentare

  1. Ahmed S. / 24. October 2006, 21:19 Uhr

    dieser Film ist anti-islamisch und wird boykottiert werden!!!!

  2. Christian / 24. October 2006, 22:16 Uhr

    Ahmed: Viel Spaß beim Boykottieren.

  3. Yussuf Stalin / 25. October 2006, 12:46 Uhr

    Ey, Ahmed, wo haste denn den shice her? Hier geht’s ma ausnahmsweise ma kein Stück um euch!!!1 Aber jetzt nich auch noch DESWEGEN beleidigt sein, Junge!!!!!1 Geh ma wieder in Puff, du!

  4. kreuzberger / 25. October 2006, 13:14 Uhr

    Manueller Trackback: Gerade eben im Gratis-Preview von Borat gewesen. Für ohne Geld gehts gerade noch, aber warum sollte man für dieses Machwerk auch nur einen Euro ausgeben? ...

  5. Christian / 25. October 2006, 13:54 Uhr

    Yussuf: Schön, zu sehen, dass ihr das unter euch regelt.

    kreuzberger: Ja, so eine Trackbackfunktion sollte ich mir vielleicht auch langsam mal anschaffen. Schade, dass du keinen Spaß hattest ;-)

  6. kreuzberger / 25. October 2006, 14:12 Uhr

    @Christian: War ja für lau, also nicht so schlimm. :-) Ich kenne das mit den Trackdings gar nicht anders, denn bei blogger.de funzen sie auch nicht.

  7. Chuck / 28. October 2006, 11:28 Uhr

    Burchenschaftsäquivalente schreibt man mit sch

  8. Christian / 28. October 2006, 11:31 Uhr

    Ups. Sofort korrigiert.

  9. Muchacho / 07. November 2006, 01:18 Uhr

    ihr habt den philm überhaubt nicht ferstanden. der vilm ist genihal

  10. Dany / 10. March 2007, 06:01 Uhr

    Came across your website. I think the movie, Borat, is garbage. It’s just not that funny. I might have laughed if I had watched it when I was 15 years old, but today at 25, I thought it was a waste of my movie ticket.
    All the jokes were tired and lame. The fat man, the gay jokes, the toilet jokes, the frat boy jokes, the sex jokes – it’s all been done before. Sure, the packaging is a bit different, but it’s still terrible. Obviously Cohen has no shame and will do anything for a buck. Social commentary? Ironic? It’s just boring. I thought at one point that there might have been some narrative or plot to the movie, but it really didn’t develop. Just a series of episodes, a road movie, slap-stick comedy meets candid camera. Not impressed.

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