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The Magnificent Ambersons, Amateur-Rekonstruktionen

Orson Welles hat so viele unvollendete oder von fremder Hand zerstückelte Filme hinterlassen, dass es in ihren mal mehr, mal weniger hypothetischen Director's Cuts für einen Orsonwellesianer eigentlich eine Unzahl Heiliger Gräle gibt. Der größte Heilige Gral allerdings dürfte "The Magnificent Ambersons" (1942) sein, Welles' nächstes Hollywood-Filmprojekt unmittelbar nach "Citizen Kane" (1941), nicht minder gut finanziert, ambitioniert und ausgefeilt, mit einem Anspruch, den Vorgänger noch zu übertrumpfen. Und tatsächlich, wäre Welles' Endschnitt je herausgekommen, so kann man mutmaßen, dass die Filmkanonbastler, die später "Citizen Kane" zum Besten Film Aller Zeiten erwählten,
Als Filmoriginal üerliefert ist leider nur die verstümmelte Version der Ambersons, hier als "Der Glanz des Hauses Amberson" auf DVD. Freilich immer noch überaus sehenswert.
in "The Magnificent Ambersons" eine erwägenswerte Alternative für diesen Posten vorgefunden hätten, so sehr scheint das, was die Cinemanen an "Citizen Kane" begeistert (was war es doch gleich? Ach, ein andernmal vielleicht, ich bin jetzt zu faul, mich hierüber zu ergießen), in den Welles'schen Überbleibseln der "Ambersons" noch formvollendeter, gewitzter und schwerwiegender aufzuglitzern.

Destruktion, Deformation

Alas, es sollte nicht sein, und während "Citizen Kane" Welles erst nachträglich Ärger bescherte, schlägt sich der "Fluch", der ihn seine restliche Karriere laut so vielen Darstellungen begleiten sollte, mit den "Ambersons" das erste Mal voll auf seine Filmographie nieder. Zuerst lief alles passabel, die Dreharbeiten, Hinzukomposition eines wunderbaren Scores von Bernard Herrmann, eine erste Schnittfassung unter Welles' Kontrolle von 131 Minuten. Doch ein weiteres Projekt zerrte ihn nach Südamerika, von wo aus er nur noch unzureichend Kontrolle über die "Ambersons" besaß, die ihm Stück für Stück unter Missgunst des produzierenden Studios ob missratener Test Screenings (das Publikum fand den Film einfach zu niederschmetternd und wollte nach dem Bombardement Pearl Harbors und dem Eintritt in den 2. Weltkrieg lieber Anderes sehen) entzogen wurden, bis ein junger Robert Wise (jüngeren Generationen als Regisseur des ersten Star-Trek-Kinofilmes bekannt) daheim in den USA das Werk schließlich vollends umschnitt, massig Material herauswarf, Vorhandenes sinnentstellend rearrangierte und Anderes hinzu oder Altes neu drehte und mit einem neuen Komponisten den Score abänderte, bis Bernard Herrmann seinen Namen in den Credits nicht mehr sehen wollte. Am Ende ist rein rechnerisch wohl gerade mal die Hälfte von Welles' "Ambersons", zusätzlich allerdings noch ummontiert und neu ausgerichtet, in der abschließend veröffentlichten Version enthalten, die insgesamt nur noch 88 Minuten dauert und u.a. ein ganz neu gedrehtes, halbwegs upliftendes Ende enthält, gegenüber einem als düster-deprimierend beschriebenen Abgesang, den Welles' gefilmt und geschnitten hatte.

Verlust, Reste, Suche

Das übrige Rohmaterial wurde vom Studio, RKO, vernichtet und Welles' Karriere in Hollywood begann einen unaufhaltsamen Niedergang. Erhalten geblieben sind allein Stills, Fitzelchen aus einem noch vor Endschnitt produzierten Trailer und Continuity Scripts.
Robert Carringers monströser Rekonstruktionsversuch des Films in Buchform, für jeden Hobby-Rekonstrukteur der Ambersons ein Pflichtwerk.
Robert Carringer sammelte einen Großteil aller verbleibenden Daten in einem Buch, "The Magnificent Ambersons: A Reconstruction"; Criterion veröffentlichte eine Laserdisc mit der 88-Minuten-Fassung, einem Audiokommentar Carringers und umfangreichem Bonusmaterial zu den Überbleibseln dessen, was fehlt.

Bring in the Internet: wellesnet, "the orson welles web resource", hostet unter anderem ein diskussionenreiches Forum für Wellesianer. Unvermeidlich natürlich, dass hierin auch umfangreich den Ambersons nachgetrauert wird. Unvermeidlicher noch, dass sich wilde Mutmaßungen, Gerüchte und Hoffnungen verbreiten, irgendwann doch noch die Kopie eines Welles-Schnitts dieses Werkes zu finden. Da hat jemand irgendwo online gelesen, dass irgendjemand mal behauptet habe, in den 60ern in einem Kino eine 132-Minuten-Version der "Ambersons" gesehen zu haben, die offenbar mirakulös die Vernichtungsbemühungen der RKO überlebt und irgendwie ihren Weg in ein Kino gefunden habe, und so soll es auch in Vanity Fair gestanden haben. Oder (selber Thread) Rick Schmidlin, der bereits Welles' "Touch of Evil" restaurierte und vor seiner Vertreibung durch rüde Webforensitten selbst im wellesnet-Forum mitgeschrieben haben soll, habe einem Forumsteilnehmer erzählt, es gäbe in Südamerika eine heiße Spur nach einer 16mm-Arbeitskopie von Welles' ursprünglicher Version, die ihm dorthin gesandt worden sei. Die könnte da wohl irgendwo in Rio de Janeiro in einem Klosterkeller oder im Archiv eines Privatsammlers, der horrende Summen für eine Herausgabe verlange, verrotten. Usw. usf.

Amateur-Rekonstruktionen

Hingegen weniger belächelns- als eher in höchstem Maße beachtenswert: Im Forum haben sich ganz pragmatisch Wellesianer zusammengefunden, privat ihre eigenen Rekonstruktionen mittels Video-&-DVD-Fassungen, moderner Amateurvideoschnittlösungen, Carringers Buch, Stills verlorengegangener Szenen, wie sie sich z.B. auf dieser schönen Seite finden, eigenen Voice Overs und evtl. sogar Material aus anderen Werken Welles' (der u.a. vorher auch ein Radiohörspiel auf der gleichen Romanvorlage der "Magnificent Ambersons" produzierte) oder anderen Auftritten seiner Schauspieler und eigenen Animations- bis CGI-Arbeiten anzufertigen. Gleich mehrere Versionen zirkulieren, werden per Post einander zugeschickt und miteinander
Ebenfalls notwendiger Teil jeden Rekonstruktionsversuchs ist der Original-Score Bernard Herrmanns zu den Ambersons, der auf dieser CD neben seinem (natürlich ebenfalls wunderbarem) Citizen-Kane-Score enthalten ist, im Robert-Wise-Cut allerdings ebenso verstümmelt und teils durch Fremdarbeit ersetzt wurde. Er liefert in seiner Gänze eine eindringliche Beschwörung der verstörenden ursprünglichen Dramaturgie der Ambersons.
abgeglichen. Stück für Stück erarbeitet sich ein Haufen Wellesianer verschiedene Impressionen eines verlorenen Werkes zurück und macht so aus einem Film des Jahres 1942 ein Produkt kollektiver Arbeit des Internet-Zeitalters, zu verfolgen u.a. in diesen Threads: Ambersons Reconstruction, ambersons ambersons ambersons, Ambersons Again, Roger Ryan's Macnificent Ambersons reconstruction.

Schade allein, dass aufgrund rechtlicher Vorgaben natürlich diese Version nur einigermaßen privat und nicht offen digital zirkuliert werden kann. Man stelle sich ein derartiges Projekt mit aller Produktivkraft der Open-Source-Bewegung vor, mit verschiedenen Abzweigeversionen verschiedener Interpretationen der Spuren von Welles' Vorhaben und verschiedenen Philosophien bezüglich Quellentreue vs. künstlerische Freiheit in der Durchführung, an denen parallel gearbeitet und auf die von jedem hieran Interessierten mittels eines Mausklicks zugegriffen werden könnte. Wenn "The Magnificent Ambersons" doch in der Public Domain wäre ... Naja. Mir würde ja schon eine Downloadbarkeit der vorhandenen Rekonstruktionsfassungen reichen, nur sowas ließe sich natürlich nicht legal hosten. Andererseits ... wenn sowas in einem Filesharing-Netz ... und man könnte ja nicht eindeutig zurückverfolgen, wer es reingestellt ... wo doch so einige inzwischen DVDs der Versionen zuhause haben dürften ... Illegal wäre ja nicht das nicht-öffentliche, private Für-sich-Rumschnippseln, sondern nur der Vertrieb. Hmm, hmm.

Monday September 11, 2006

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Kommentare

  1. Thomas / 11. September 2006, 14:32 Uhr

    zwei buchstaben: b und t.

  2. Christian / 11. September 2006, 16:05 Uhr

    Thomas: Ich meinte mit “vorhandenen Versionen” die vorhandenen Amateur-Rekonstruktionen (korrigier ich gleichnochmal im Text etwas deutlicher), die hat nur leider noch niemand irgendwo als Torrent reingestellt, der sie besitzen könnte ;)

  3. Thomas / 11. September 2006, 16:32 Uhr

    Deswegen meine ich ja, b und t, wegen dieser Versionen. Es gibt ja durchaus einige Leute, die in b und t machen, die sich zu kleinen Zirkeln zusammenschließen, die sich eher für solche dinge interessieren.

  4. Christian / 11. September 2006, 17:25 Uhr

    Wobei so ein Zirkel natürlich einigermaßen geschlossen wäre, während ein Open-Source-Projekt ja gerade auch von seiner Offenheit, davon also lebt, dass jeder Dahergelaufene mühelos reinschauen und sich beteiligen kann, wenn er mag. (Wenn den Anderen nicht gefällt, was er macht, spaltet er halt seine eigene Entwicklungslinie ab.) So ein bt-Zirkel dagegen müsste sich bereits zu seinem eigenen rechtlichen Schutz einigermaßen nicht-öffentlich halten.

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