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Die innere Sicherheit

Die innere Sicherheit
BRD 2000, Christian Petzold, 106 Minuten.

Den bourgeoisen Charakter der linken bundesrepublikanischen Terroristentümelei hat Fassbinder in der Dritten Generation hinreichend analysiert. Die innere Sicherheit nun schert sich nicht groß darum, diese Analyse en detail neu nachzuvollziehen oder die leidige Frage nach der Terroristenbefindlichkeit im Heute (nicht so gut) zu stellen; sie werden als selbsterklärend und offenkundig genommen/vorausgesetzt. Auch wenn Die innere Sicherheit oberflächlich einem nach Jahrzehnten immer noch flüchtenden RAF’ler-Pärchen mit seiner Tochter folgt, verweigert er den Eltern in ihrer Identität / Identitätspolitik jedes Interesse und jeden filmischen Entfaltungsspielraum. Er verbittet sich jede Sympathie oder Nostalgie nach totalitaristischen Utopien, er stilisiert eine kalte, ausgenüchterte Gegenwart herbei, die frei ist von allen emanzipativ oder faschistoid oder sonstwie “revolutionär” wendbaren Signifikanten, die den Elternfiguren Bestätigung oder Spiegelfläche, Wärme und Halt geben könnten; sogar die Benennung “RAF” wird vermieden. Der filmische Apparat fällt stattdessen strukturell wie empathisch ganz auf die inzwischen fünfzehnjährige, seit Geburt im Untergrund mitgeschleppte Tochter Jeanne. Durch Drehbuch (zusammen mit Harun Farocki verfasst) und Direktion Petzoldts, allen voran aber eine beeindruckende Verkörperung durch Julia Hummer, offeriert sie eine Intensität und Tiefe ganz aus sich und ihrer persönlichen Erarbeitung der Gegenwart heraus, die ihre ohne jedes bestätigend-stützendes Referenzsystem auf ihr Nichts zurückgeworfenen, in der Vergangenheit verlorenen Eltern nur noch umso erbärmlicher da stehen lässt.


Der andere Film von Christian Petzold mit Julia Hummer in der Hauptrolle.
Über freilich alle drei Figuren hinweg formuliert Die innere Sicherheit formal und sinnlich eindringlich eine Dialektik von Halt und Haltlosigkeit, innerer Sicherheit und Paranoia, Geborgen- und Verlorenheit aus. Da gibt es einen Hitchcockschen Suspense-Moment für den Verfolgungswahn der Eltern (die Autokreuzung), und allgemeiner ein stetes, die klangliche / sprachliche Selbstbestimmung der Figuren übertönendes [1] Rauschen der durchflüchteten Außenwelt, das vom Wehen des Windes über das Meeresrauschen bis zum Fahrgeräusch des ständigen Ortes Automobil auffällig ungebrochen fließt und ihren Standort akustisch destabilisiert, wenn er sich nicht gerade in der ebenso beunruhigenden totalen Stille sehr temporärer Innenwohnräume manifestiert. Jeanne allein nur bietet der Film schließlich sein Instrumentarium zur Schaffung von, wenn auch bloß virtuellen, Rückzugs- und Eigenräumen an, im diegetisch wie nicht-diegetisch dominierenden Laut-Ausspielen ihrer Musik-CDs, oder in jenem filmischen Wegdriften aus der Realität, als der Surferjunge ihr das angebliche Haus seiner Eltern vorführt, in Bild und Ton nach diegetischer Zeit getrennt und doch in Beidem unwirklich filmisch synchronisiert; hier ist es ihr im Gegensatz zu ihren bereits verlorenen Eltern gestattet, für sich eine eigene Geborgenheit und Welt im Jetzt zu finden. Das finale Ganz-auf-sich-Zurückgeworfensein Jeannes, mit Close-Up auf ihr Gesicht und danach Abspann-Musik, ist so vielleicht strukturell als ganz einfaches Happy End begreifbar.

[1] Aber vielleicht war auch einfach nur die Akustik bei der Vorführung, der ich beiwohnte, falsch ausgesteuert.

Thursday November 2, 2006

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