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Why The World Doesn't Need Superman

Superman Returns
USA 2006, Bryan Singer, 154 Minuten.

Franchise-Verwerter, lauscht meinen Worten: Es ist die Zeit gekommen, da Superman die Heldenfackel an Lex Luthor abgeben muss. Ansonsten droht diesem Mythos vollends der Absturz in die Bedeutungslosigkeit.

Handwerk

Das sage ich nicht bloß, weil Luthor in “Superman Returns” die besseren Sprüche und Szenen abbekommt und von Kevin Spacey verkörpert wird. Wobei, um einmal allgemein auf die Schauspieler zu sprechen zu kommen, Spacey tatsächlich als Einziger sich in seiner Rolle wohl zu fühlen scheint, als einziger Schauspieler Spaß macht. Kate Bosworth ist als Lois Lane ein zahmes Nichts gegenüber ihrer egobewussten Vorgängerin Margot Kidder, die noch kein Mutterkreuz zu tragen hatte. Die Nebenfiguren sind, außer einem hinterkopftätowierten Luthor-Handlanger, absolut vergessenswert. Sogar Perry White (Frank Langella) bleibt blass. Und Superman selbst, nun, Superman/Clark Kent ist per definitionem ein banaler Charakter, weshalb sein Darsteller Brandon Routh auch nicht mit mehr als einer tatsächlich beachtlichen Christopher-Reeve-Ähnlichkeit glänzen kann.

Aber Superman will ja auch weniger Shakespearsche Tragödie als Non-Nietzscheanischer Alien-Übermensch sein, dessen grenzenlose Potenz Spektakel an sich ist, Anlass für Märchenhaftigkeit und Allmachtsphantasien, wie im Richard-Donner-Superman von 1978 gelungen praktiziert. Überdrehtheiten, zu denen sich Bryan Singer in seiner aufgeklärten Professionalität nur noch halbherzig durchringen mag; er versetzt ihn lieber in eine Realität, in der er mit Eifersucht und einer möglichen Vaterschaft zu hadern hat. Wie langweilig (und inkonsequent: denn Superman ist natürlich dennoch zu korrekt, um daraus zu irgendeinem ausformulierten Dilemma zu gelangen). Was bleibt, ist solides Genre-Handwerk, das dem Standard der letzten Jahre passabel entspricht, dem Überdimensionalitätspotential des Mythos Superman jedoch nicht gerecht wird. Insofern war es eine schlechte Idee, die Vorstellungen von “Superman Returns” als erste Abspielstätten für den Teaser zu “Spider-Man 3” zu nutzen: Die Fabel vom bloß mutierten Menschenkind Peter Parker strahlt in ihrer schamlosen Naivität und Zauberhaftigkeit weitaus verführerischer als die vom erwachsen gewordenen Superman, der in der Realität angekommen ist.

Mythos

Superman passt als Spektakel nicht in eine Realität, deren Probleme quer zu seinen Superkräften stehen. Das Chaos, das in einer digitalen Welt bei einem Stromausfall ausbricht, lässt sich von ihm nur in seinen physischen Manifestationen, aber nicht an der Wurzel bekämpfen. Die Zeit, da primär ein starker Armmuskel die Welt formte, ist vorbei. Die technisch-wissenschaftliche Zivilisation hat an der Schwelle zum Transhumanismus allen Anspruch darauf, Superman obsolet zu machen. Der Film bemüht sich, diesen Anspruch als vermessen darzustellen, indem er gleich zu Anfang ein neues Fluggerät scheitern lässt, damit Superman die Notwendigkeit seiner Rückkehr beweisen kann. Doch die viel allgemeinere Verkörperung dieser Vermessenheit ist Lex Luthor.

Kevin Spaceys Lex Luthor ist eine viel grandiosere Gestalt als Gene Hackmans niedlicher Großgauner aus den alten Filmen. Er hat Gespür, Intelligenz und Ambitionen, die Zivilisation auf den Stand Supermans zu bringen. Es ist Drehbuch-Nonsens, dass er alles nur für den Grundbesitz tue; seine Rede von Prometheus, der die Götter herausfordert, indem er den Menschen das Feuer bringt, ist weitaus glaubwürdiger. Tatsächlich steht Superman für einen allmächtigen Gott, in den eine ohnmächtige Menschheit vertraut, während Luthor für eine Aufklärung steht, die sich selbst zur Kontrolle der Natur aufschwingen möchte. “Superman Returns” zeigt bereits ein Schrumpfen der Kluft zwischen Luthor und Superman. Ein Sturz des alten Mythos, Gott, durch den neuen Mythos, Aufklärung, ist unabdingbar. Was machen Superhelden, wenn die Menschen Götter werden?

Monday August 21, 2006

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