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Black Snake Moan

FaF-Sneak Preview (letzte Woche): Black Snake Moan
USA 2006, Craig Brewer, 116 Minuten

Während der Großteil des Sneak-Preview-Publikums ab der ersten Sekunde über eine Prekariats-Hauptrolle für Justin Timberlake johlt, habe ich in den Anfangsminuten noch ernsthafte Schwierigkeiten, Christina Ricci als Timberlakes junge White-Trash-Verlobte zu identifizieren, so wunderschön entstellend-heruntergekommen ist sie aufgetan. Timberlake selbst indes verabschiedet sich gleich zu Beginn auch schon wieder, dorthin, wo US-Prekariat mit Ambitionen auf Besseres hingehört, in die Armee; die Ricci, allein zurückgelassen, kriegt kaum einen Augenblick später bereits einen sexuellen Unausgelastetheitsanfall und suhlt sich tränenreich-verzweifelt mit ihrer Scheide im Südstaaten-Dreck. Gott, in was für ein markig Großnamen-besetztes Unterschichtsmiefdrama bin ich denn da reingeraten. Mal schaun, in welche Richtung das gehen wird, werden wir Over-There-mäßig der problembeladenen Fernbeziehung zwischen Ricci und dem Irakeinsatzort von Timberlake folgen? Weit gefehlt! Szenenwechsel: Samuel L. Jackson erscheint (mit grauen Haaren), Publikumsjubelei, da muss doch was Cooles bei rauskommen, wenn Samuel L. Jackson mitspielt. Erstmal aber wird er von seiner Frau verlassen und versenkt seine Sorgen im Blues. Seufz. Befürchtungen bauen sich in mir auf, fetter Südstaatenmilieupinsel und Sozialkitsch, aber die persönliche Erlösung durch die Kraft der Musik/Kunst/Gitarre (und das männliche Pop-Sternchen wird doch wohl gewiss auch nicht umsonst mitspielen) wird die penetrant einkategorisierten Trailer-Park-Rednecks und Gospel-Neger schon wieder zusammenbringen ...

Ich stelle mich bald auf eine unsouverän ironische Konsumtion des Werkes ein -- das erscheint mir alles gerade plump genug, um sich über überplusterte Milieu-Klischees, Slang-überforderte Synchronarbeit und Star-Appeal-Fehlbesetzungen als lustig zu tragen --, als dann doch die Erkenntnis in mir zu reifen beginnt, dass das alles durchaus nicht unfreiwillig komisch ist. Die Pointen nehmen irgendwann zu direkte Formen an, etwa wenn Samuel L. Jackson selbst noch als geruhsamer Greis mit seinem Gartentraktor in Bad-Mothafucka-Attitüde genüsslich den Rosengarten seiner Ex überrollt oder später im priesterlich-richtenden Henkerston aus Pulp Fiction Bibelzitate spuckt. Oder wie so ziemlich jede Szene in genussvollsten visuellen Pointen einer so übersteigerten wie auch kulturhistorisch informierten Südstaatentrash-Ikonographie gipfelt, perversen Umkehrungen der amerikanischen Bilderwelten von Norman Rockwell und Edward Hopper.
Der Soundtrack von Black Snake Moan.
Wenn dann Samuel L. Jackson die krankhaft nymphomanische Christina Ricci in seiner Hütte in schwere Eisenketten legt, um sie moralisch zu erziehen, und sie im Gegenzug unter ihrem gestrengen neuen Vaterersatz ihr halbinzenstuöses Kindesmissbrauchstrauma aufarbeitet, das am Anfang ihrer qualvollen Nymphomanie stand, nicht ohne freilich vorher ihre Mutter als Nicht-Verhinderin desselben zu konfrontieren und im Gegenzug ein "ich hätte nicht auf meine Eltern hören und dich abtreiben sollen" entgegengeschmettert zu bekommen (jaja, so sehen sie halt aus, die Verhältnisse in den White-Trash-Familien!), driftet der Film endgültig in schamlos-fröhlichen Melo-Camp ab. Timberlake kommt dann noch verspätet wieder hinzu, rausgeworfen aus dem Militär wegen spontaner Angst-Attacken, am Boden zerstört, und die nun nach ihrer Katharsis erstarkte Ricci singt ihn in der letzten Szene fürsorglich in den Schlaf, ohne aber, dass er, Timberlake, vor dem Abspann noch eine Chance erhalten würde, selbst sein Stimmchen mitspielen zu lassen. Two Thumbs Up! (Mal ehrlich. Bei dem Plakat. Wie soll man den Film da nicht lieben?)

"Black Snake Moan" kommt am 5. Juli in die deutschen Kinos.

Monday July 2, 2007

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