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Sneak Preview: Nach der Heirat

Sneak Preview: Efter brylluppet / Nach der Heirat / After the Wedding
Dänemark/Schweden 2006, Susanne Bier, 120 Minuten

Es gibt zuweilen in Film, TV oder Videospiel Mikro-Parodien auf Seifenopern, in denen binnen eines einzigen kurzen Dialogs auf einem Fernsehschirm Liebesschwur, Seitensprung, falsche Vaterschaft, tödliche Krankheit, Intrige, Inzest, Millionenerbe, Trennung, Versöhnung usw. usf. enthüllt werden, um eine ganze Bandbreite melodramatischer Möglichkeiten in ihrer Konzentration komisch pointiert durchzudeklinieren. Nach der Heirat nun ist so etwas Ähnliches, nicht ganz so arg komprimiert, aber in seinen zwei Stunden immer noch bis zum Zerbersten mit haarsträubendsten melodramatischen plot twists gefüllt, von denen so ungefähr alle zehn Minuten mindestens einer sich zu ereignen und sämtliche Verhältnisse neu durchzuschütteln hat, damit jede Figur sich mal gegen jede wutentbrannt werfen oder an ihr ausheulen oder ihr eine Verheimlichung übelnehmen darf. Der Wahnwitz, der hierbei durchkommt (und den man vielleicht Anders Thomas Jensen zu verdanken hat, der an der Handlung mitwerkelte), gerät zum hochvergnüglichen Selbstzweck. Unmöglich, die Figuren und ihre Welten über ihre Funktion zur Wahnwitz-Erzeugung hinaus noch ernstzunehmen, und warum auch.

So wird Le Chiffre/Mads Mikkelsen zwar anfänglich noch als männliche Mutter Theresa in indischen Elendsgroßstadtbildern als Sozialarbeiter für arme Straßenkinder eingeführt, auf eine Weise, als wolle der Film ernsthaft mit Relevanz hierüber tönern und qualvolles Gutmenschelkino liefern; doch als Mikkelsen dann
Der Soundtrack von Nach der Heirat.
an den Milliardärs-Hof in Dänemark gelangt (bei Kurt Wallander/Rolf Lassgà¥rd und Sidse Babett Knudsen, die wie eine Mischung aus Tracey Ullman und Patricia Richardson ausschaut), wird klar, dass der indische Prolog ganz allein nur zur polemisch kontrastierenden Aufladung seiner Figur diente und der Film sich (Gott sei Dank) nicht im Geringsten für die Schicksale der Kinderprostituierten aus Bombay interessiert.

Regisseurin Susanne Bier nun kommt noch aus dem Dogme95-Haufen, wurschtelt viel mit der Kamera rum und jumpcutted viel, erfreut sich ziemlich an exzessiven Nahaufnahmen von Haut, Mündern und vor allem Augen ihrer Figuren in dramatischen Momenten (das hat dann schon weniger was von Dogme als von Leone), und zuweilen poetisiert, lyrisiert sie rum mit Aufnahmen von käferbesetzten Grashalmen im Gegenlicht usw. usf., das geht zuweilen etwas auf die Nerven, aber zumindest befreit sie die Dogme-Wurzel des Ganzen vom ermüdenden Wahrhaftigkeits- und Direktheitsanspruch, indem sie den Raum der Verfahren mit Rumgekünstele, Musikuntermalung und prallen Farben (die durchaus digital nachbearbeitet sein könnten) zumanscht; und aus dem jump cut sowieso holt sie einfach ein weiteres Potenzierungsmittel für die Drastik ihrer plot twists raus, um Gesichtsausdruck auf Gesichtsausdruck und Geste auf Geste einfach wirkungsvoll aneinander ranzupeitschen; das ist schon eine aufregendere Nutzungsweise als die übliche Anwendung als Verweis auf das Geheimnis des Dazwischen.

"Nach der Heirat" kommt am 1. Februar in die deutschen Kinos.

Wednesday January 24, 2007

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